Donnerstag, 7. Juni 2012

Computerspiele und Magiesysteme (1) - Square

In unzähligen Spielen gibt es verschiedene Formen von Magie mit denen man meistens "nur" effektvoll seinen Gegnern einheizt. Dabei verlassen sich viele einfach auf ein System von Mana als Energiemenge mit der man seine Sprüche zahlt. Ist der Vorrat alle, so muss man warten bis er sich wieder auffüllt oder man trinkt einen Zaubertrank (oder isst eine Walnuss).

Von Zeit zu Zeit wird man von einem Magiesystem aber noch überrascht. Dabei wird das Magiekonzept manchmal wegentwickelt von der altbackenen Manaenergie als Kraftstoff magischen Wunderwirkens, aber manchmal wird auch ein ganz faszinierendes (oder einfach skurilles) System erfunden, was vielleicht auf Mana zurückgreift, aber andere Aspekte des Zauberns völlig neu angeht. Ein paar Beispiele davon im Folgenden aus Gründen der Nostalgie, des Skurillitätslevels oder des Innovationsgeistes. Dass dabei in diesem Post nur Spiele von Square auftauchen ist dem (nicht immer praktikablen, aber oft innovativen) Erfinderreichtum der dortigen Spieledesigner geschuldet. Bald wird ein Artikel mit den Ideen anderer Spielesysteme und Hersteller folgen.


Final Fantasy (7+8)
Über Magie in dieser Reihe kann man einen eigenen Beitrag schreiben. Meine persönlichen Favoriten versuche ich hier einmal anzureißen. So unter anderem die Guardian Forces aus Final Fantasy 8 und die sogenannte Materia aus dem Vorgänger.
Im achten Teil der beliebten J-RPG Reihe muss man erst einmal übernatürliche Wesen, die Guardian Forces, Gegnern entreißen oder, wie am Anfang des Spiels, einfach zugeteilt bekommen. Diese gehen im Spiel eine mystische Verbindung mit dem jeweilig "gekoppelten" Charakter ein und verstärken so dessen Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen. Sie lassen sich auch rufen, um im Kampf ihre besonders starken Attacken auf die Gegner loszulassen. Um zu zaubern braucht es den Kampfbefehl "draw". Mit diesem kann man gegnerischen Monstern bestimmte Sprüche entziehen. Man lernt diese aber nicht dauerhaft, sondern speichert sie in einer bestimmten Menge ab. Wer oft zaubert, der muss also auch oft "ziehen". 
Da die Sprüche wiederum die durch die Guardian Forces verstärkten Fähigkeiten (wie Lebensenergie, Stärke etc.) je nach vorhandener Anzahl und Spruchstärke boosten, ist es bei bestimmten seltenen Sprüchen nicht immer eine leichte Entscheidung diese im Kampf alle zu wirken.
Bekannte Gegner wie "Kaktor" (s.o.) oder die seit dem 3. Teil als "Beschwörungszauber" bekannte Eisgöttin "Shiva" treten bei Final Fantasy 8 als Guardian Forces auf.






Final Fantasy 7 ging einen anderen Weg als sein Nachfolger. Zwar spielten hier Magiepunkte (wie Mana) eine tragende Rolle, um die Menge an ausführbaren Zaubern zu limitieren, aber 
welche man sprechen konnte hing von ausgerüsteter "Materia" (bzw. "Substanzen") ab, die auch in der Geschichte des Spiels eine gewichtige Rolle spielten. Im Spiel eine Art zu Kugeln kondensierte Form von Magie wurden diese in Gegenstände wie Waffen oder Rüstung eingefügt (je nach verfügbaren Plätzen) und standen dann als Sprüche zur Verfügung. Dabei levelten (wie übrigens auch die G.F.s bei FF8) die Substanzen auch mit der Zeit und schalteten so weitere Sprüche frei. Kombinieren konnte man manche dieser Sprüche mit Status verändernden Materias auch, wenn in einem Gegenstand verbundene Slots für Materia vorhanden waren. So wurde aus "Blitz" + "Alle" ein Spruch, der eben alle Gegner brutzelte und nicht nur einen.


Je nach Farbe ergaben Materias unterschiedliche Sprüche oder Kombinationsmöglichkeiten. - © by pinkfairywand.com



Secret of Evermore
Mit dem Bedürfnis nach Secret of Mana mal wieder einiges anders zu machen, spielte Secret of Evermore nicht in einer klassischen Fantasyumgebung, sondern in den Wunschwelten aus der Vorstellung verschiedener Persönlichkeiten. Diese waren der Prähistorik, dem europäischen Mittelalter oder auch dem antiken Ägypten nachempfunden. Dort gibt es keine klassische Magie sondern Alchemie. Man kommt also ohne Mana und Magiepunkte aus, aber die Effekte ähnelten natürlich im Endeffekt "Zauberei". Man brauchte zwei verschiedene Zutaten, um einen speziellen Spruch zu wirken und lernte im Verlauf des Spiels über 30 Formeln lernen, teilweise versteckt, konnte aber nur eine begrenzte Zahl jeweils mit sich führen. Durch öftere Verwendung stiegen die Formeln levelähnlich in ihrer Effizienz. Der "Feuerblitz" und klassische Heilung von Lebensenergie wurden dabei schnell zum immer mitgeführten Standardarsenal.
Desweiteren gaben einem wichtige Charaktere der Story besondere Perlen, mit denen man spezielle Fähigkeiten und Formeln ebenjener Personen hervorrufen konnte. Die Menge dieser Gegenstände war aber begrenzt und so hütete man sich diese zu voreilig einzusetzen.
Hier noch der Link zu dem damals für mich als Kind ziemlich beeindruckenden Werbespot (so etwas war eh selten im TV) für das Spiel.

Secret of Evermore von 1995. Hierzulande auf dem SNES spielbar (und nun per Emulator sogar auf Smartphones).

Chrono Trigger 
Meines Erachtens gebührt diesem Spiel ein eigener Post, aber wir schauen mal ob mir zukünftig dahingehend nach einem ausführlichen Bericht ist. Jedenfalls war dieses Spiel damals (1995 ebenfalls) allein schon wegen der verschiedenen möglichen Enden ein Knaller- Für uns (ich damals 12 oder so) auch deshalb schwer, weil in Deutschland nur als Import (why?!) verfügbar und daher nur auf Englisch. Auch noch ohne Google Translate oder super Walkthrough im Internet.
Bei Chrono Trigger hatte man zu Beginn des Spiels je nach Charakter nur ein paar "Tech" genannte Fähigkeiten. Nach einem Besuch am "Ende der Zeit" später im Spiel erhalten alle Charaktere nach und nach personalisierte Magie. Die Forscherin Lucca zaubert von da an mit Feuer, der Hauptheld Chrono mit Blitzen und die widerborstige Prinzessin Marle mit Eis. Mit steigender Erfahrung lernen alle nue Sprüche dazu und zaubern, wieder einmal mit Mana, was das Zeug hält. Besonders war an dem System das Folgende:
Wenn Charaktere eine Zeit lang zusammen kämpften, dann erlernten sie sogennante Dual Techs und später sogar eine Triple Tech pro möglicher Dreierkombination (mit so klingenden Namen wie "Dark Eternal", "Arc Impulse" oder der extrem praktikablen "Lifeline"). Da man im Spiel in der Regel mit drei Helden von insgesamt höchstens 7 unterwegs ist, gab es faszinierende Kombinationen von denen aber natürlich die meisten nur auf farbenfrohes Schadensausteilen ausgelegt waren. Grafisch war das für damalige Verhältnisse schon allein das Spiel wert. Sehr viel mehr war aus dem SNES nicht herauszuholen.
Die beiden Charaktere Robo und Ayla können rein theoretisch (und in der Story aus guten Gründen) nicht zaubern, sind aber auch Teil spezieller Double und Triple Techs durch ihre speziellen, ganz eigenen Fähigkeiten. Insgesamt bietet das Spiel über 100 Sprüche.
Das Magiesystem von Chrono Trigger ist für mich aufgrund der Kombinationen und Ideen hinter den einzelnen Sprüchen bis heute eines der tollsten im Bereich der J-RPGS.

Chrono zaubert Lightning 2. © by Chrono Continuum


Liebe Spieleentwickler: Man muss kein J-RPG machen, um einfallsreiche Magiesysteme in ein Spiel einzubauen. Mehr Mut zur Kreativität.


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