Donnerstag, 28. Juni 2012

Hall of Fame (1) - Alpha Centauri

Fast jeder, der sich mit Computerspielen auseinandersetzt, ist einmal dem Charme von Sid Meier`s phänomenalen Werk "Civilization" (in irgend einer Form) erlegen. An "Call to Power" dagegen sah man, was passiert, wenn der Meister selbst nicht mehr an seinen ursprünglich guten Ideen mitarbeitet.
Ein Meilenstein der Civilisation Reihe ist nach wie vor, wenn auch namentlich nicht damit verwandt, "Alpha Centauri". In diesem Spiel war man nicht wie bei „Civilization“ auf der Erde unterwegs, sondern in der Galaxis auf dem Planeten Alpha Centauri, auf dem man als Anführer einer von sieben Fraktionen eine neue Heimat für die Menschheit gründete
Die Fraktionsführer sind aufgrund ihrer speziellen charakterlichen und personentypischen Ausrichtungen spannende Prototypen und vertreten jeweils gewisser Weltanschauungen und politische Richtungen. Eigentlich sollten sie alle gemeinsam mit ihren Anhängern an Bord des Raumschiffs Unity einen neuen Planeten besiedeln. Durch Streit entzweien sich die Leute an Bord des Schiffes jedoch und teilen sich in rivalisierende Gruppen auf:
So führt Lady Deirdre Skye die Fraktion Gaia's Stepdaughters an, Chairman Sheng-Ji Yang den Human Hive, Academician Prokhor Zakharov die University of Planet, CEO Nwabudike Morgan leitet Morgan Industries, Colonel Corazon Santiago die Spartan Federation, Sister Miriam Godwinson die Lord's Believers und Commissioner Pravin Lal die Peacekeeping Forces

Unter diesen sieben Fraktionsführer/innen, unter denen man als Spieler auswählen konnte, war vom Militaristen über Wissenschaftler bis zum religiösen Fanatiker alles vertreten, mit all ihren spieltechnischen Vor- und Nachteilen.

Die Führer der Fraktion in Abstimmung um planetenumspannende Entscheidungen.




Social Engineering
Neu für das gesamte System Civilization war damals, dass man nicht einfach gewisse Regierungsformen wie Demokratie oder Diktatur wählte. Man hatte ein ausführliches Menü, namens Social Engineering, mit einer Auswahl verschiedener Führungsstile und Regierungsformen in den Bereichen Politics (z.B. Democracy), Economics (z.B. Free Market), Values (z.B. Power) und Future Society (z.B. Eudaimonic). Diese konnte man sich frei zusammenstellen mit all ihren verschiedenen Vor- und Nachteilen im Spielverlauf.
Dadurch war viel mehr Flexibilität und Individualisierung möglich als bei der Wahl einer konkreten Regierungsform in früheren Civ-Titeln. Seit der Entwicklung von Civilization 4, das seit 2005 auf dem Markt ist, bestehen ähnliche Möglichkeiten, die Führungsart seiner Zivilisation zu bestimmen und zwar durch die sogenannte Sozialpolitik. Die klassischen Regierungsformen sind im Spielkonzept bereits in den Hintergrund getreten. Heute sind Weltanschauungen und Mentalitäten ausschlaggebend für die Führung von Zivilisationen in der Spielereihewas zu mehr Variationsmöglichkeiten im Spiel führt und so den Spielverlauf wesentlich spannender macht.
So konnte man seine Fraktion und ihre Vorteile ausbauen, neue Vorteile erschließen oder Nachteile ausmerzen. Dabei kam die Wahl jedes neuen Bereichs im Social Engineering mit verschiedenen Vorteilen und einem Nachteil.

Social Engineering lässt den Spieler z.B. die Gaianer auch mit Durst nach Macht und Kontrolle spielen.














Wunder

Die Wunder sind ein fester Bestandteil der Civilization-Reihe. Sie repräsentieren Meilensteine in der menschlichen Entwicklung und konnten, nach Erforschung einer gewissen Technologie, nur von einer Fraktion/Zivilisation errichtet werden. Wer das jeweilige Wunder zuerst in einer seiner Städte errichtete, der verhinderte die Fertigstellung, wie in der Civilization-Reihe üblich, bei den Gegnern. 
So gab es bei Alpha Centauri natürlich nicht den "Hoover Damm" oder die "Bibliothek von Alexandrien", sondern (meine persönlichen Favoriten) wie das "Weather Paradigm", den "Hunter-Seeker Algorithm" (im Deutschen fast cooler als "Jagdalgorithmus" übersetzt) oder "Clinical Immortality". Die Auswirkungen und Namen waren dem Science Fiction Setting angepasst und hatten dadurch teilweise sehr drastische Effekte wie explosives Bevölkerungswachstum ("Cloning Vats") oder die "Telepathic Matrix", die Unzufriedenheit in der Bevölkerung auslöschte.

Neue Technologien ermöglichen Wunder wie "The Universal Translator".


Wege zum Sieg
Wie für Civilization üblich, gibt es auch bei Alpha Centauri eine Menge unterschiedliche Wege – insgesamt vier - den Sieg zu erringen. Das klassische Niederwalzen aller Gegner, um sich durch militärische Stärke als alleiniger Herrscher zu etablieren, ist natürlich wieder möglich. Ebenso kann man sich aber auch von einem Rat zum Führer aller Parteien auf dem Planteten wählen lassen. Überhaupt spielte Einflussnahme bei Alpha Centauri durch Diplomatie so eine tragende Rolle, wie sie selbst im aktuellsten Civilization Titel nach wie vor nicht vorhanden ist. Als dritte Möglichkeit von vier kann man auch durch immense ökonomische Dominanz die Märkte des Planeten unterjochen und so über die anderen siegen.
Der vierte Weg zum Sieg ist die Fertigstellung des Wunders "Voice of the Planet", denn auf Alpha Centauri sind die Fraktionen nicht die erste Lebensform. Ein Organismus mit telepathischen Veranlagungen setzt sich den menschlichen Eindringlingen entgegen, kann aber später sogar gezüchtet und auch übernommen werden. Wer die Stimme des Planeten fertigstellt, der erreicht durch das folgende Wunder "Ascent to Transcendence" den Sieg, da er die Bewohner des Planeten mit dem Bewusstsein des Planetenorganismus verschmilzt.
Als eine Ausnahme in der Civilization Reihe hatte Alpha Centauri dazu auch kleine Storyteile, die das Verhältnis zum Planeten bei bestimmten technologischen Meilensteinen weitererzählte. Ob sich die eigene Fraktion gegen den Planeten stellt und eine andere Form des Sieges anstrebt, oder sich mit dem Organismus verbindet, ist dem Spieler überlassen. Die Story von Alpha Centauri, in der die Weiterentwicklung der Menschheit eine große Rolle spielt, ließ als "bedeutendste" Siegesbedingung aber die "Stimme des Planeten" erscheinen.