Dienstag, 10. Juli 2012

Frauen und Stereotypen in Spielen

Kürzlich wurde versucht, auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter ein Projekt über Stereotypenweiblicher Figuren in Videospielen zu starten. Das ging mit einem unerträglichen Maß an Online-Vandalismus (was man jetzt "Shitstorm" nennt) einher. Wer die ganze Geschichte lesen will, dem sei zu diesem Artikel auf Kotaku geraten. Das Projekt wiederum ist hier zu finden.

Eines ist sicher: Frauen werden in Videospielen oft stark sexualisiert und der Held ist in einer gehörigen Überzahl der Spiele stets männlich.
Was ich aber zeigen möchte ist, dass es in Spielen erstens auch gute Beispiele gibt für positive und moderne Frauenbilder in Spielen und dass zweitens auch eine Sexualisierung und Idealisierung der männlichen Figuren stattfindet. Nur das ist ganz offensichtlich kein Thema.

Weibliche Stereotypen im Spiel

Prinzessin Peach oder auch Toadstool genannt. © by Nintendo




Die bekannte Prinzessin aus Super Mario ist ein Musterbeispiel für die Rolle der Frau im Videospiel: Sie ist stets die, die gerettet werden muss und kann sich (von "Super Smash Brothers" mal abgesehen (*husthust*)) offensichtlich nicht verteidigen. Sie wird so oft entführt, dass Mario seinem Klempnerjob kaum mehr nachgehen kann, da er dauernd damit beschäftigt ist, die Prinzessin des Pilzkönigreichs zu retten. Die Rolle der weiblichen Figur ist somit von Hilfsbedürftigkeit und Passivität geprägt.
Darüber hinaus findet in fast jedem Fantasyspiel auch eine starke Sexualisierung von Frauenrollen statt. Weibliche Charaktere sind traditionell kaum bekleidet, was als Rüstung durchgehen soll.
Und natürlich, selbst bei Bioware ist ein Demon of Desire weiblich und verführt die Menschen durch Erfüllung aller Wünsche gezielt zu schlechtem Verhalten. Verführerische „Schlange“ also, wie schon im biblischen Paradies. 



Ein Desire Demon in Dragon Age. © by Bioware




Auch Prügelspiele, wie schon Mortal Kombat, sind ideale Beispiele für eine Welt, in der Frauenkörper hochgradig idealisiert und sexuell aufreizend dargestellt werden. Das heißt, wenn sie denn überhaupt kämpfen dürfen. Im alten Street Fighter z.B. gab es gerade mal Chun Li und damit hatte es sich an weiblicher Unterstützung. Das Dazustoßen von Cammy in späteren Street Fighter Teilen war nicht umsonst ein Highlight. Erst im Laufe der Zeit waren Frauen regelmäßiger als Teilnehmerinnen in den sogenannten Beat`em Ups präsent, aber wie gesagt, mit den erwähnten Attributen.

Prototyp weiblicher Prügelkunst: Chun Li. © by cosplayhouse.com

Two wrongs don`t make a right
Man kann es also durchaus so sehen, dass Frauen in Videospielen durch Sexualisierung auf Körperlichkeit reduziert werden. Genügend Beispiele dafür gibt es. Ob dies jedoch als "Problem" angesehen wird, das der Lösung bedarf, ist eine andere Frage.
Und auch wenn Dinge durch ausgleichendes Übel nicht besser werden, so muss man an dieser Stelle aber auch thematisieren, wie männliche Figuren in Spielen dargestellt werden. Zwar sind die Stereotypen durchaus unterschiedlicher Natur, aber im Kern hat man es mit muskelbepackten und zerstörerischen Individuen zu tun. Jedenfalls im herkömmlichen Bild von Videospielen. Und dafür gibt es populäre Beispiele.

Der Duke aus Duke Nukem. Chauvinist, Brutalinski und vulgär.

Kratos aus God of War. Schlachtet sich mit viel Blut durch alles, was ihm im Weg steht.

Diese Liste ließe sich lange fortsetzen. Männer stellen dominierend Helden und Bösewichte in Spielen dar. Aber auch dabei findet eine Reduzierung statt auf eine sexualisierte, von Gewalttätigkeit und Zerstörungssucht dominierte Verhaltensweise. Man kann sich definitiv darüber streiten, was bei der Rollendarstellung diskriminierender ist: die Reduktion auf Sex oder Gewalt und Zerstörungswut.

Tolle Frauen
Es ist nicht Ziel dieser Abhandlung, extrem Position zu beziehen, sondern Beispiele weiblicher und männlicher Stereotypen aufzuzeigen. Eine Entwicklung zu mehr Nivellierung der Geschlechter im Spiel hat nicht zuletzt durch Bioware stattgefunden. In Dragon Age, Mass Effect, aber auch schon bei Baldur`s Gate hatte man die Wahl zwischen weiblichen und männlichen Figuren. Und es passiert das einzig Richtige: Die Wahl des Geschlechts hat keine Auswirkungen darauf, was der Charakter kann. Moralische Entscheidungen und Kampfesstärke sind bei weiblichen und Männlichen Figuren identisch und hängen nur von den Entscheidungen des Spielers ab.

Zum Abschluss aber auch noch ein paar glänzende Beispiele für weibliche Charaktere und Heldinnen in Spielen.

© by Ubisoft

Jade aus "Beyond Good & Evil" kann sich ihrer Haut sehr effektiv erwehren und deckt nebenher auf, was für dunkle Machenschaften auf ihrem Planeten Hyllis von der Regierung zusammen mit der feindlichen Alienrasse der DomZ gemacht werden.

© by Nintendo
Samus Aran, die Weltraumpiratenjägerin, ist seit 1986 eine immer wiederkehrende Heldin von Nintendo. Seit den neueren Spielen sogar in klassischer Manier eines Egoshooters, ist sie das älteste Beispiel kampfstarker Frauen in einer Männerdomäne. "Metroid" ist eine der längsten und erfolgreichsten Spieleserien, die eine weibliche Hauptfigur haben.

© by dreamfall.com
April Ryan ist die Protagonistin in The Longest Journey und spielt eine wichtige Rolle im Nachfolger Dreamfall. In TLJ löst sie Rätsel und stellt sich dunklen Mächten entgegen, die die zwei Welten Arcadia und Stark bedrohen. Dabei bringt sie mit ihrem Mut und Entschlossenheit das Gleichgewicht zwischen den beiden antagonistischen Welten wieder ins Lot und hilft, diese letztendlich wieder zu vereinen.

Aber auch von diesen drei abgesehen gibt es in der Welt der Spiele eine schier endlose Anzahl an beeindruckenden weiblichen Charakteren, Heroinen und Antagonistinnen. Sarah Kerrigan aus Starcraft, Bayonetta aus dem gleichnamigen Spiel, diverse Charaktere der Final Fantasy Reihe wie Tifa, Yuna, Rinoa oder Quistis. Diese Liste hier enthält einige weitere wie auch Carmen Sandiego oder natürlich Lara Croft. Und auch hier gibt es eine Liste interessanter Charaktere.

Es hat sich viel getan bei den weiblichen Figuren der Spielewelt.


If you dis/agree, share and comment me.


Nachtrag: Ein Gegenargument für (kurz gesagt) "Männer-sind-auch-Opfer" Theorie ist hier zu finden: http://www.escapistmagazine.com/videos/view/the-big-picture/5950-Tropes-vs-MovieBob