Donnerstag, 20. September 2012

"Dear Esther" - Was ist ein Spiel?

In der Philosophie stößt man irgendwann immer auf ein ganz besonderes Lehrstück dessen, das andere sicher Haarspalterei nennen würden. Wittgenstein spricht in seiner "Philosophischen Untersuchung" davon, dass es Familienähnlichkeiten gibt. Am Beispiel von "Spielen" zeigt der Autor, wie schwer es ist, für alles, was als "Spiele" bezeichnet wird, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Trotzdem wissen wir, dass es bestimmte Dinge gibt, die als Spiele zu klassifizieren sind. Dies aber nicht durch die Tatsache, dass sie allesamt zwingend eine bestimmte Eigenschaft teilen, sondern durch gewisse Ähnlichkeiten.

"Wie ist denn der Begriff des Spiels abgeschlossen? Was ist noch ein Spiel und was ist keines mehr? Kannst du die Grenzen angeben? Nein! Du kannst welche ziehen: denn es sind noch keine gezogen. Aber das hat dich noch nie gestört, wenn du das Wort »Spiel« angewendet hast. [...] Wie würden wir denn jemandem, der Spiele nicht kennt, erklären, was ein Spiel ist? Ich glaube, Wir würden ihm sehr wahrscheinlich Spiele beschreiben, und wir könnten der Beschreibung hinzufügen: »das, und Ähnliches, nennt man ›Spiele‹ «. Und wissen wir selbst denn mehr? Können wir etwa nur dem Andern nicht genau sagen, was ein Spiel ist? – Aber, das ist nicht Unwissenheit. Wir kennen die Grenzen nicht, weil keine Grenzen gezogen sind."

Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen

Concept Art für "Dear Esther" - Ist das noch ein Spiel?  © by Ben Andrew 

"Dear Esther"
Im Computerspielbereich gibt es dafür seit Kurzem ein Beispiel par excellence, das, wie nie zuvor, die Grenzen zwischen Spielen und anderen künstlerischen Ausdrucksformen verwischt. Die Frage, inwieweit Spiele künstlerische Produkte sind, ist seit längerem Gegenstand von Diskussionen und eine durchaus berechtigte Fragestellung, wie sich am folgenden Beispiel sehr gut zeigen wird.

Die Rede ist von "Dear Esther".

Mittwoch, 5. September 2012

Best of "Geile Indie-Spiele" (1)

Einleitung
In den letzten Jahren sind sogenannte Indie-Spiele immer populärer geworden. Dies mag daran liegen, dass viele Spieler von der Ideenarmut großer Spieleproduzenten enttäuscht oder von der Preispolitik und den Kopierschutzmaßnahmen verschreckt sind. Vor allem durch das geniale, regelmäßig wiederkehrende "Humble Bundle"  gefördert, sind innovative und unterhaltsame Spieletitel unbekannter Programmierer teils zu größten Ehren gekommen. Und das auch noch mit einfallsreicher Preispolitik. Inzwischen kann diese Entwicklung sogar im Mobiltelefonbereich genutzt werden. Das "Humble Bundle" wird auch speziell für Android Smartphones angeboten. Es lohnt sich daher, sich im Newsletter der Seite einzutragen.

Ein paar meiner Lieblinge stelle ich im Folgenden vor. Alle, bis auf eines der vorgestellten Spiele, sind mit PC und Mac kompatibel (Ausnahme "The Misadventures of P.B. Winterbottom; PC und XBOX only) und "Osmos" ist auch auf Smartphones und Tablets lauffähig.


Einsamkeit in Monochrom bei "Limbo"
Der Spieler ist in Limbo ein kleiner Junge, der seine Schwester sucht. Das Geschehen wird eigentlich nur bildlich dargestellt, Limbo ist sehr spärlich mit schriftlichen oder gar gesprochenen Erläuterungen. Weder die Welt, in der man aufwacht, noch die Beweggründe der selten auftauchenden Feinde werden erklärt. Das, zusammen mit der schwarz weißen Grafik, trägt unheimlich zur Atmosphäre des Spiels bei.

So richtig physisch verteidigen kann man sich in Limbo nicht. Wenn man es einmal mit Feinden zu tun bekommt, wie mit den gelegentlich auftauchenden riesigen Spinnen, dann führt nur Nachdenken und Rätsel knacken zum Erfolg.

Trotz der objektiv seltenen Gefährdungsszenarien, fühlt man sich in Limbo stets bedroht, denn auch die unbelebte Umwelt ist für einen kleinen Jungen aufgrund seiner körperlichen Größe und Unerfahrenheit recht gefährlich und kann ihn das Leben kosten. Ein falscher Tritt oder Sprung  reichen aus. Dabei wird das Spiel aber nie unfair, denn man kann beliebig oft versuchen, von einem Speicher- bzw Checkpunkt aus, der kurz vor der problematischen Stelle liegt, diese zu bewältigen. Wer total verzweifelt, der findet auf YouTube Videos mit den Lösungen der trickreichsten Stellen.


Insgesamt braucht man nicht sehr lange, um Limbo durchzuspielen. Die Zeit, die man aber in das Spiel investiert, lohnt sich ungemein, denn Atmosphäre, Rätsel und einfach die Darstellung des Spiels haben ihren ganz eigenen Reiz. Limbo ist über Steam erhältlich, aber auch direkt über den Hersteller und auch mit der äußerst netten  Limbo Collector's Edition.

Limbo Spinne
Stress wie hier entfaltet Limbo selten. Meistens ist geduldig Köpfchen machen die Lösung.