Mittwoch, 5. September 2012

Best of "Geile Indie-Spiele" (1)

Einleitung
In den letzten Jahren sind sogenannte Indie-Spiele immer populärer geworden. Dies mag daran liegen, dass viele Spieler von der Ideenarmut großer Spieleproduzenten enttäuscht oder von der Preispolitik und den Kopierschutzmaßnahmen verschreckt sind. Vor allem durch das geniale, regelmäßig wiederkehrende "Humble Bundle"  gefördert, sind innovative und unterhaltsame Spieletitel unbekannter Programmierer teils zu größten Ehren gekommen. Und das auch noch mit einfallsreicher Preispolitik. Inzwischen kann diese Entwicklung sogar im Mobiltelefonbereich genutzt werden. Das "Humble Bundle" wird auch speziell für Android Smartphones angeboten. Es lohnt sich daher, sich im Newsletter der Seite einzutragen.

Ein paar meiner Lieblinge stelle ich im Folgenden vor. Alle, bis auf eines der vorgestellten Spiele, sind mit PC und Mac kompatibel (Ausnahme "The Misadventures of P.B. Winterbottom; PC und XBOX only) und "Osmos" ist auch auf Smartphones und Tablets lauffähig.


Einsamkeit in Monochrom bei "Limbo"
Der Spieler ist in Limbo ein kleiner Junge, der seine Schwester sucht. Das Geschehen wird eigentlich nur bildlich dargestellt, Limbo ist sehr spärlich mit schriftlichen oder gar gesprochenen Erläuterungen. Weder die Welt, in der man aufwacht, noch die Beweggründe der selten auftauchenden Feinde werden erklärt. Das, zusammen mit der schwarz weißen Grafik, trägt unheimlich zur Atmosphäre des Spiels bei.

So richtig physisch verteidigen kann man sich in Limbo nicht. Wenn man es einmal mit Feinden zu tun bekommt, wie mit den gelegentlich auftauchenden riesigen Spinnen, dann führt nur Nachdenken und Rätsel knacken zum Erfolg.

Trotz der objektiv seltenen Gefährdungsszenarien, fühlt man sich in Limbo stets bedroht, denn auch die unbelebte Umwelt ist für einen kleinen Jungen aufgrund seiner körperlichen Größe und Unerfahrenheit recht gefährlich und kann ihn das Leben kosten. Ein falscher Tritt oder Sprung  reichen aus. Dabei wird das Spiel aber nie unfair, denn man kann beliebig oft versuchen, von einem Speicher- bzw Checkpunkt aus, der kurz vor der problematischen Stelle liegt, diese zu bewältigen. Wer total verzweifelt, der findet auf YouTube Videos mit den Lösungen der trickreichsten Stellen.


Insgesamt braucht man nicht sehr lange, um Limbo durchzuspielen. Die Zeit, die man aber in das Spiel investiert, lohnt sich ungemein, denn Atmosphäre, Rätsel und einfach die Darstellung des Spiels haben ihren ganz eigenen Reiz. Limbo ist über Steam erhältlich, aber auch direkt über den Hersteller und auch mit der äußerst netten  Limbo Collector's Edition.

Limbo Spinne
Stress wie hier entfaltet Limbo selten. Meistens ist geduldig Köpfchen machen die Lösung.

Fressen und gefressen werden bei "Osmos"

Osmos
In hellem Blau treibt man seine wachsende Zelle durch die Welt von Osmos.
Als leuchtende, blaue Zellsphäre stellt sich dem Spieler in Osmos die Aufgabe, so viel zu wachsen, wie nur möglich. Osmotisch kann man sich dabei kleinere Zellen einverleiben und begünstigt so das eigene Wachstum Die Zellen, die kleiner sind als die eigene Zellsphäre, machen sich auf dem Bildschirm dadurch kenntlich, dass sie sich mehr und mehr bläulich verfärben und ihre Gefahr andeutende rötliche Färbung verlieren, je mehr die Spielerzelle wächst. 
Die Bewegung der eigenen Zelle ist dabei das packende und ganze Faszinosum an dem Spiel. Jede kleinere berührte Zelle wird augenblicklich absorbiert, wenn die Spielerzelle sie berührt. Auch die gefährlichen rötlichen Zellen bewegen sich und wachsen dann, wenn sie mit einer anderen Zelle in Berührung kommen. Wenn diese größer sind, als die eigene Zelle, können sie nicht mehr „gefressen“ werden. D.h., man muss also mit der eigenen Zelle sehr geschickt und oft auch zügig agieren, um schnell zu wachsen.

Durch Tippen auf dem Bildschirm schickt man kleine Stücke seiner selbst weg, um sich in die eine oder andere Richtung abzustoßen. Diese „abgestoßenen“ Teile können auch wieder von einem selbst oder feindlichen Zellen aufgenommen werden. Bewegung ist daher von fundamentaler Wichtigkeit bei Osmos. Je weiter man im Spiel vorankommt, desto mehr ist das geplante und gut gezielte Bewegen der Zelle von Relevanz.

Stufenloses Zoomen sorgt dafür, dass man zwischen einer teils riesigen Übersicht des aktuellen Spielfeldes und punktgenauer Steuerung der Zelle in mikroskopischer Genauigkeit hin- und herwechseln kann.



Horror und Hilflosigkeit in seiner reinsten Form bei "Slender" und "Amnesia"
Horrospiele sind so alt wie das Genre der Computerspiele generell. Als Kind hat mich das plötzliche Auftauchen des Geisterpiraten LeChuck in Monkey Island 2 davon abgehalten, das Ende des Spiels zu sehen. Es war einfach zu beängstigend, wenn in die weitestgehende Stille  plötzlich stressiges PC-8-Bit-Gepiepse das Auftreten des ewigen Widersachers von Guybrush ankündigte. 

Heute, mit viel besserer Grafik und auch viel mehr Möglichkeiten, erreicht der Horror in Spielen einen ganz neues Level. Dank der Immersion, die bei Spielen tendenziell deutlich höher ist als bei Filmen, ist man auch viel mehr einbezogen in das Geschehen. Man fiebert nicht einfach nur mit, dass der Darsteller überlebt, sondern ist persönlich dafür verantwortlich, dass man kein verfrühtes Ableben des Charakters herbeiführt.


Zwei Spiele haben sich dabei im Indiebereich besonders hervorgetan. Amnesia und Slender Man.
Amnesia: The Dark Descent steht in der angsteinflößenden Tradition des ersten Spiels von Frictional Games: Penumbra (mit insgesamt drei Folgen: Ouverture, Black Plague und Requiem). 
Auch bei Amnesia ist man allein unterwegs und steuert alles aus der First Person Perspektive. 
Daniel, der Protagonist, erwacht in einem dunklen Schloss. Während man das Gemäuer erkundet, muss man sich mit Fackeln und Laterne gegen die Dunkelheit wappnen, die den Spielercharakter sonst langsam aber sicher in den Wahnsinn treibt. Nur eines weiß man zeitig, dass man selber bewusst und aus wohl gutem Grund seine Erinnerungen gelöscht hat, aber man in den Kern des Schlosses vordringen muss, um den Besitzer aus noch unbekannten Gründen aufzuhalten.

Amnesia The Dark Descent - Monster
Wenn man das sieht, ist es in Amnesia eigentlich schon zu spät.
Dabei sind sichtbare und unsichtbare Monster auf der Jagd nach dem Spieler. Wenn er auf eines dieser unheimlichen Wesen trifft, so bleibt ihm nichts anderes übrig, als die Flucht zu ergreifen. Verteidigen kann sich der Spieler nicht. Das perfide Prinzip dabei ist, dass, wenn man sich in der Person von Daniel vor den Monstern versteckt, man die Wesen aus seinem Versteck heraus nicht einmal anschauen darf. Die abnormen Wesen zehren sonst zu schnell an der geistigen Gesundheit. Noch dazu spüren sie ihn leichter auf, wenn er dabei ist, den Verstand zu verlieren.

Für Slender Man gilt das gleiche. Auch dieses sehr kurze Spiel, eher eine Art Horrorspieledemo, stehen Angsthasen wie ich nur auf YouTube durch (Zu meiner Verteidigung: "Dead Space" hab ich immerhin durchgestanden). Aber man spürt schon deutlich, wie das Spiel auf viele Leute wirkt, wenn man sich Videoreihen wie diese anschaut.


Slender Man
Hinter jeder Ecke kann der Slender Man lauern, oder direkt hinter dir.
Ziel des Spiels ist es, 8 bekritzelte Seiten Papier aufzusammeln. Nach einer gewissen Zeit sieht man den Slender Man ab und an zwischen den Bäumen, hinter Ecken usw auf einen lauern. Wenn man nicht genug in Bewegung bleibt und zu lange mit der Suche nach den Seiten zubringt, dann kündigt statisches Rauschen das Nahen des Slender Mans an. Man hat dann bis zum digitalen Ableben nicht mehr viel Zeit, die letzten Seiten zu finden.
Die Wehrlosigkeit und das stark eingeschränkte Sichtfeld des Spiels hat schon so manch hartgesottenen Spieler schreiend vor Schreck vom Stuhl aufspringen lassen, wenn der Slender Man plötzlich auftaucht, um sein Opfer zu schnappen. Slender Man ist hier kostenlos erhältlich.


The Misadventures of P.B. Winterbottom
Misadventures of P.B. Winterbottom
Mr. Winterbottom will Kuchen, aber der entzieht sich trickreich seinem Griff.
Rätseln in einer monochromen Welt wie Limbo ist nicht ganz neu. Vor ein paar Jahren erschien mit The Misadventures of P.B. Winterbottom auch ein Rätselspiel. Die Rätsel beschränken sich dabei jeweils auf bildschirmgroße Bereiche in denen alle vorhandenen Törtchen eingesammelt werden müssen. Diese verstecken sich hinter Barrieren oder schweben in der Luft. Daher springt, rennt und haut P.B. Winterbottom um sich, um an sein Ziel zu kommen. 
Der Trick an dem Spiel ist: Wenn man eine bestimmte Taste gedrückt hält und weiter Bewegungen ausführt mit dem Protagonisten, dann nimmt das Spiel den Bewegungsablauf auf wie einen Film. Lässt man die Taste los, entsteht eine Kopie von Mr. Winterbottom und übernimmt schattenhaft die gespeicherten Abläufe. So kann der Spieler mehrere Sachen gleichzeitig erledigen, z.B. Schalter auslösen (lassen) während er an einer anderen Stelle des Bildschirms weilt und vieles mehr.
Dabei zerbricht man sich ziemlich schnell den Kopf darüber, wie P.B.s Fähigkeiten sich nutzen lassen, um das Level zu bewältigen. Manche Torten lassen sich nur von Kopien einsammeln, manche wiederum nur in bestimmten Reihenfolgen. Mit der Zeit lernt P.B. neue Fähigkeiten, kann mehrere Kopien von sich erstellen und und und.
Das alles wird eingerahmt von einer unterhaltsamen Geschichte, die stummfilmartig erzählt wird und mit viel Witz und Reim daherkommt.
Auf XBOX Live und dem PC (über Steam) kann man die Abenteuer von Herrn Winterbottom erleben.