Montag, 21. Januar 2013

"Would you kindly" - Freier Wille und Schuld im Spiel

Wer Probleme mit ein paar Spoilern in Spielen hat (namentlich bezüglich Bioshock), der sollte sich das Folgende nicht durchlesen, oder vorher dieses Video schauen (leider nur mit Proxy möglich) und dann doch weiterlesen.

Freier Wille?
In Bioshock hat man, wie in diesem Artikel schon mal thematisiert, die Möglichkeit, die sogenannten Little Sisters aus egoistischen Motiven zu "ernten" oder aus eher altruistischen Motiven zu retten. Man entscheidet sich also immer wieder zwischen ganz offensichtlichem Gut und Böse.

Aber abgesehen von diesem Teil des Spiels, in dem der freie Wille auf eine "Entweder-Oder"-Entscheidung zwischen zwei konträren Richtungen reduziert wird, enthält die Hauptstory noch einen speziellen Twist.
Der vermeintlich freundliche Atlas, der den Spieler durch Rapture dirigiert, implementiert viele seiner Aufforderungen mit der Phrase "Would you kindly". Wie sich im Lauf des Spiels herausstellt, bleibt einem allein auf Grund dieser vermeintlich freundlichen, aber gezielt und subtil hinterhältigen Einleitung keine andere Wahl, als den Vorschlägen Folge zu leisten. Der Spielercharakter ist konditioniert, auf diese Redewendung hin Befehle auszuführen. Der Spieler ist ein Werkzeug von Atlas, und zwar von seiner Ankunft in Rapture bis hin zu dem Moment, wo er von dem Trigger befreit wird. Der freie Wille ist dem Protagonisten für die wirklich wichtigen Entscheidungen über lange Spielphasen entrissen.