Mittwoch, 17. April 2013

Science Fiction, die zwickt - Inception, Donnie Darko & Avatar

Es gibt viele gute Filme und eine Legion von schlechten. Bei manchen jedoch scheiden sich einfach die Geister. Beispiele dafür sind auch Größen wie Der Pate/The Godfather, wo z.B. bei Family Guy eine Diskussion entbrennt, da Peter, als Einzigem der Familie, der Film nicht gefiel. Allerdings bringt er das Problem mit vielen "guten" Filmen auf den Punkt: "It insists upon itself." 
Manch ein Film ist immerhin relativ gut, also im Vergleich zu vielen wirklich schlechten Filmen, denen nicht mal ein Trashfaktor noch zu Erinnerungswürdigkeit verhilft. Trotzdem schwingt bei vielen sehr guten Filmen etwas Negatives mit, ein schaler Beigeschmack, der aber verständlicherweise auch nicht von jedem wahrgenommen oder eben anders gesehen wird. Oft fällt dieser Beigeschmack auch unter Krittelei auf hohem Niveau. So auch bei den folgenden Beispielen, wo ich gut unterhalten wurde und trotzdem an ein paar Punkten ziemlich genervt war. Es hat sich jetzt so ergeben, dass alle drei Beispiele aus dem Science-Fiction Bereich stammen.


Inhaltlich gilt "Spoiler Alert" falls jemand einen der Filme nicht gesehen hat.
Wer generell gern, wie ich, an Filmen ewig herummeckert, dem gefällt sicher dieser YouTube-Kanal.



Ein unglaublicher Cast an super Schauspielern.


Inception - Ocean's Eleven im Traumland

Bis auf „Prestige“ habe ich die wichtigen Nolan Filme alle gesehen und war auch mit allen insgesamt gesehen mehr als nur zufrieden. Allein was er mit der Batman Reihe gemacht hat, der Leistung würde ein extra Oscar gebühren. Alle Filme sind mit Schauspielern besetzt, die fantastisch spielen und dabei auch noch toll geschriebene Rollen ausfüllen. Und alle Filme stolperten in meinen Augen vor dem überhöhten Ziel, was Nolan erreichen will, nicht vor dem Publikum, die eigentlich alle seine Filme "super" finden. Wie auch in manchen Opern, so habe ich bei jedem dieser Filme den Eindruck, als wäre eine knappe halbe Stunde zu spät Schluss gemacht worden.
Die Ausnahme bildet dabei Memento. Inception aber, der gerne als der genialste der Filme gesehen wird, stolpert noch etwas mehr.

Zuerst einmal wird alles, was den Film auszumachen scheint, nämlich verwirrende Traumwelten anderer Leute zu durchschreiten, durch einen Kniff ausgehebelt. D.h., zu unrealistisch dürfen die konstruierten Träume nicht sein, sonst merkt nämlich der Träumende, dass er träumt. Das hat zur Folge, dass der Diebstahl von geistigem Gut, das Ziel der Protagonisten, unmöglich gemacht wird.
Bis auf die durchaus grandiose Szene im Hotel, in der Matrix-ähnliche Kämpfe stattfinden, sind alle Orte, an denen der Film spielt, faktisch nie von der Realität zu unterscheiden. Was bei Matrix die Überlegenheit der Protagonisten zum Ausdruck bringt, die die künstliche Welt verstanden haben und somit manipulieren können, ist bei Inception völlig unnötig. Man betrachtet ein extrem gutes
 "Heist-Movie", dem durch verschiedene Bewusstseinsebenen 
allerdings nur vermeintliche Tiefe gegeben wird. Relevant ist dieser Unterbau der Bewusstseinsebenen im Endeffekt nur, um das Ende für Leonardo di Caprios Charakter im Unklaren zu lassen. Ähnliche Muster werden am Ende von Pan`s Labyrinth verwendet. Dort ist die Phantasiewelt der Heldin allerdings eine bedeutungsschwangere Verarbeitung der Realität, die am Ende unentwirrbare Formen annimmt. Darauf arbeitet Guillermo del Torro den ganzen Film über hin, was das Ende verständlich macht. Nolan dagegen verkompliziert Inception durch unnötige und nicht nachvollziehbare Geschehnisse. Der unglückliche Tod von Mal Cobb (Marion Cotillard), der Ehefrau des Hauptcharakters, ist etwas, was diesen den Film über verfolgt und den Erfolg der Mission gefährdet. Allerdings wirkt die ganze Bewusstseinsmurkelei etwas aufgesetzt, wenn sie doch auf die von Schuld geplagte Psyche von Dom Cobb und die Hotelkampfszene als Ergebnis reduziert wird.

Ich fand Inception, trotz dessen, großartig, aber die Genialität, die Nolan offensichtlich gern erreichen möchte, scheitert immer kurz vor Erreichen von dieser. Es bleibt bei "nur" sehr gut.


Und ich stehe zum Glück nicht allein damit da, wie man
diesem Video entnehmen kann.



Frank und Donnie.
Donnie Darko - Quantenmystizismus
Keine Diskussion kann Gemüter derart erhitzen wie eine kritische Meinung über Donnie Darko. Hierzulande straight-to-DVD und dann gleich straight-to-Kult hat der Film viele Punkte, die ihn zu einem guten Film machen. Meistens sind es genau die gleichen Punkte, warum ihn manche problematisch finden.

Das Setting ist ziemlich mysteriös und doch nicht so dramatisch verwirrend wie Mulholland Drive oder Filme, die sich durch wirre Handlung oder fehlenden Plot gerne den Anstrich von Intellektualität geben. Dabei bleibt Donnie Darko eigentlich durchgehend spannend und auch nicht nur ein wenig gruselig. Zur Geschichte:
Ein junger Mann wird nachts irgendwie aus dem Schlaf gerissen und geht wie in Trance gerufen auf die Straße. Dort steht Frank, ein Mann im Hasenkostüm, der Donnie das Ende der Welt prophezeit. Zu Hause wieder angekommen stellt Donnie fest, dass er tot wäre, wenn er Franks Ruf auf die Straße nicht gefolgt hätte. Während seiner Abwesenheit war eine Flugzeugturbine durch das Hausdach auf sein Bett gefallen.
Mit wenig interpretatorischer Fähigkeit wird am Ende des Films ersichtlich, dass Donnie irgendwie für alles, was an dramatischen Vorkommnissen passiert, verantwortlich ist. U.a. scheint er auch für den im Verlauf eintretenden Tod von Frank, dem Mann im Hasenkostüm, verantwortlich zu sein. Es wird ihm bewusst, dass er all das Unglück auch hätte verhindern können, wenn sein eigener Tod durch die Flugzeugturbine herbeiführt worden wäre. Er greift (mittels Zeit und Raum beeinflussender Fähigkeiten und Telekinese in Teamwork) in den Lauf der Geschichte ein und sich lächelnd von dem Flugzeugtriebwerk erschlagen.

Erklärt wird die zwar spannend gehaltene aber verwirrende Geschichte durch eine im Film  nicht einmal annähernd verständlich erläuterte Theorie über Zeitreisen im Allgemeinen und Multiversen aus der Quantentheorie. Dies noch zusätzlich gewürzt mit übernatürlichen Kräften, wie Telekinese und Kontrolle über Elemente. Schlimm genug, dass man den Film nicht ansatzweise wirklich verstehen kann, wenn man nicht vorher den ausführlichen Hintergrund gelesen hat. Die offiziellen Erläuterungen sind so wild und absurd (und selbst hier erläutert noch anstrengend krude), dass es dadurch nicht etwa besser wird, sondern die dadurch zwar verständlichere Story noch abstruser wird als ohnehin. Dabei sind Filme mit interpretierbarer Story nicht automatisch schlecht, aber sie sind auch nicht automatisch gut, weil sie umständlich erzählt und offen interpretierbar sind bzw. sein sollen. Mulholland Drive (u.a.) macht da einen deutlich besseren Job.

Der Film ist im Kern eine etwas abgefahrene, spannend und gruselig erzählte Geschichte über Zeitparadoxa und Opferbereitschaft. Den wissenschaftlichen Anstrich erhält er zum Beispiel durch einen brisante Theorien verbreitenden Physiklehrer, - die ihn seinen Job kosten könnten, wie er sagt (aufgrund von offensichtlich mangelnder Fachkompetenz). Wenn man Wert auf konsistentes Geschichtenerzählen legt, so bekommt man jedoch mit fortschreitender Interpretation des Films zunehmend Kopfschmerzen.


Wer denkt, dass das gemein war, sollte das hier lesen. Und etwas differenzierter sind die Kommentare hier.

Zauberhafte Bilder und altbekannte Story.

Avatar - Der Wüstenplanet hat jetzt einen Urwald
Avatar ist grafisch für das Kino das, was vor Jahren Matrix war und heute der Hobbit ist. Damals führte Matrix spektakuläre Effekte ein, wie die "Bullet Time", und stellte noch dazu ein paar interessante philosophische Fragen unter all dem Geballer. Der Hobbit wiederum brachte eine nie da gewesene Bildschärfe, die manch einem Kinobesucher schon etwas sauer aufstieß, denn die schnellere Abfolge von Bildern brachte eine für manche fast schmerzhafte Bildschärfe und die Illusion eines schneller laufenden Film, bevor eine Gewöhnung an die neue Optik einsetzte.
Avatar ist wiederum die Mutter des modernen 3D Kinos und damit Fluch und Segen zugleich gewesen. Wenn man sich aber die Story anschaut, dann merkt man, wie wenig Kreativität dort hineingeflossen ist, denn der Film ist nichts anderes als der Dune - Der Wüstenplanet in einem etwas anderen Setting und verliert gegen David Lynch schon allein wegen der Schauspieler.

Der Wüstenplanet: 

- Auf dem Planeten Pandora gibt es den seltenen Rohstoff Unobtanium, den die Erde dringend benötigt. Bei Dune ist das Spice auch nur auf dem Wüstenplaneten Arrakis abbaubar und wird benötigt, um Weltraumreisen überhaupt zu ermöglichen. Des Weiteren verlängert es das Leben etcpp.

Die Atmosphäre: 

- Die feindliche Atmosphäre von Pandora macht es Menschen nur in Schutzanzügen oder in Form von Avataren möglich, den Planeten zu erkunden, bei Dune ist die Wüste ein Ort, an dem nur die einheimischen Fremen überleben können, dank spezieller, nicht nachmachbarer Schutzanzüge. Nur ein befestigter Ort, nebst Riesenschild gegen die Sandstürme auf dem Planeten, ist für die Außenweltler bewohnbar.

Ureinwohner: 

- Dem Raubbau am Planeten stellen sich die Ureinwohner Pandoras entgegen, die Na'vi. Auf Arrakis leben die bereits erwähnten Fremen und sabotieren die Ernten der Spice-Abbauer. 

Verrat und Profitgier:
- Bei Dune flüchten Paul Atreides und seine Mutter, aufgrund einer Usurpation durch das Haus Harkonnen, zu den Fremen in die Wüste, bei Avatar soll der Soldat Jake das Vertrauen der Na'vi durch seine Verkleidung im Avatar gewinnen. Es kommt zum Bruch mit dem Imperium bei Dune und zum Bruch mit der ressourcengierigen RDA, die Pandora ausbeutet, bei Avatar. Jake und Paul wechseln die Seiten.
Den Lebensraum der Fremen, wie den der Na'vi, wollen sie gegen blinde Profitgier schützen (gemischt mit etwas Rache). Das größte Unobtanium Vorkommen soll abgebaut werden, aber liegt unter den Gebieten der Na'vi. Die RDA will den Seelenbaum der Na'vi zerstören, um diese zu demoralisieren und gefügig zu machen, was aber katastrophale Folgen für den Planeten hätte. Bei Dune ist den Außenweltlern nicht klar, dass der Sandwurm, der zwar eine Gefahr für die am Ernteprozess Beteiligten ist, das Spice produziert und daher für die Spiceernte unersetzbar ist.


The Chosen One: 

- Jake ist querschnittsgelähmt und erhält durch das Avatar-Programm eine Chance, sich wieder für das Militär nützlich zu machen, da nur wenige geeignet sind, die künstlichen Na'vi zu steuern. Er ist einer von diesen wenigen. Paul Atreides hat auch einen extremen Sonderstatus, da er das Ergebnis eines Zuchtprogrammes ist, was ein Mädchen hätte produzieren sollen, aber ihn hervorbrachte. Als einziger Mann ist er in der Lage, die Fähigkeiten des geheimnissvollen Bundes von Frauen (die Bene Gesserit), dem seine Mutter angehört, anzuwenden.

Reifeprüfung durch Tierritt: 

- Um sich das Vertrauen der Na'vi endgültig zu sichern, muss Jake ein spezielles Tier reiten, den Toruk. Paul Atreides wiederum reitet zum Beweis, dass er nicht nur Freme sein kann sondern auch der "Auserwählte" ist, den Shai-Hulud, den Sandwurm. Auf beiden Wesen wird jeweils im Endkampf natürlich in die Schlacht geritten/geflogen. Paul und seine Mutter geben einen Teil des geheimen Wissens der Bene Gesserit an die Fremen weiter, um sie für den Kampf zu stärken. Jake kennt als Soldat der Erde die Kampfweise und Waffen der RDA ebenfalls nur zu gut.

Die visuelle Größe von Avatar hat in meinen Augen so viele Leute beeindruckt, dass die einfallslose Story, so nett sie auch erzählt wird, auch als eine Stärke des Films wahrgenommen wird. Das mag aber auch daran liegen, dass der Wüstenplanet eine alte Verfilmung eines noch älteren Buches ist, was auf Grund des Alters die wenigsten in Avatar erkennen dürften.


Und auch hier: Dank an das im Nachhinein entdeckte YouTubes CinemaSins.