Dienstag, 24. September 2013

Vegan Power - Das Berlin Rollenspiel (2): Church of Apple vs Androiden

Wer den ersten Artikel dieser Reihe nicht gelesen hat, der sollte hier anfangen.

Alle anderen seien willkommen zur zweiten Runde der absurden Welt in der sich das Berlin der Zukunft befindet, zerfurcht und gespalten von Grabenkämpfen übernatürlich begabter Einwohner Berlins. Heute stelle ich Euch die beiden technokratischen Gruppierungen "Church of Apple" und die "Androids" vor. Beide haben ihre Technikliebe bis zu einer borghaften Verschmelzung von Maschine und Mensch getrieben, aber mit unterschiedlichen Philosophien und Motivationen.



The Church of Apple



Perfekt und gleichgeschaltet wie die Borg.

Manche Menschen streben in allem nach Perfektion. Dafür sind sie auch bereit, einiges in Kauf zu nehmen. Dafür gehen manche drastische Wege. Seit es möglich war im Berlin der Zukunft (die sogenannte "Synthetischen Wende") Technisches mit Biologischem zu kombinieren, eröffneten sich dahingehend ganz neue Wege. Von manchen als widernatürlich abgelehnt, umarmten andere wiederum diese Verschmelzung von Maschine und Mensch. Damit ging, aufgrund des unermüdlichen Dranges nach Optimierung, die Entstehung einer immer religionsartigeren Bewegung einher. Die Church of Apple war geboren.
Geführt von Ihrem Messias Steve und vereint im Kernsatz Ihrer Lehre: "Es gibt nur einen Gott und Steve ist sein Prophet." eilen die Jünger der Church of Apple dem Ideal eines cyborghaften Übermenschen mit der Geschwindigkeit eines Erdrutsches nach. Der Mensch, dank Technologie von seinen Schwächen befreit, wird ein neues Wesen und eifert dem Wunsch seines Schöpfers nach Perfektion nach. Was andere böse Gleichschaltung nennen ist für die Church of Apple ein natürliches und vor allem logisches Endprodukt und eine von Menschenhand notwendigerweise fortgeführte Evolution. Niemand wird dazu gezwungen, schließlich wurde der Mensch mit einem freien Willen gesegnet. Aber wer würde sich vor dieser verheißungsvollen Bewegung verschließen wollen.
Der geistige Führer und Prophet Steve ist seit seiner (vermeintlichen) Apotheose verschollen (oder eben aufgefahren in den Himmel). Zu seinen Ehren werden jährlich von den Anhängern der Glaubensrichtung Opfer dargebracht. Böse Zungen behaupten, dass kurz vor den Festlichkeiten alljährlich eine auffallende Menge an Menschen asiatischer Herkunft im Berliner Raum unter ungeklärten Umständen verschwinden. Aber das sind sicher nur böse Gerüchte.

Der "Glaube an Steve" bringt die folgenden Vorteile mit sich:

Psalm des Windspiels
Alle Gläubigen erlernen eine Form von Technomantie. Sie können mit Maschinen kommunizieren und diese kontrollieren. Dabei müssen sie sich erst auf die gewünschte Maschine in ihrem Sichtbereich einstimmen, was je nach Komplexität der Maschine dauert, und dabei den Psalm des Windspiels rezitieren ("Steve ist mein Hirte, es wird mir an keinem Update mangeln. Er weidet mich mit intelligentem Design und führt mich mit intuitiven Wischgesten."). 
Dann können alle Funktionen der fokussierten Maschine durch geheime Handbwegungen ferngesteuert werden und die "Sinne" des Gerätes vom Gläubigen genutzt werden. Diese Fähigkeit hat den Anhängern der Church den Spitznamen "Dirigenten" eingebracht, da der Eindruck entsteht, dass Sie mit ihren Wischbewegungen eine Art unsichtbares Orchester lenken. Für Leute, die nicht wissen, was derjenige da tut, sieht das zudem einfach extrem seltsam aus.

Liturgie der superfiziellen Reinheit
Nach ihrer Initiation sind alle Gläubigen nach außen hin perfekte Wesen. Gesichter entsprechen dem goldenen Schnitt, oberflächliche Makel sind ausgemerzt und die Haut scheint nicht nur rein, sondern fast alabasterhaft weiß. Diese unwirkliche Schönheit ist verstörend und bezaubernd zugleich. Bei jeglicher sozialen Interaktion profilieren sich Gläubige der Church ohne große Schwierigkeiten. Alle Würfe auf Manipulation, Überzeugen, Lügen und ähnliches sind erleichtert. Menschen, die ein ideologisch geprägtes Problem mit idealisiertem Äußeren haben, nehmen an dem Erscheinungsbild der Gläubigen allerdings oftmals Anstoß.

Segen der heiligen Retina
Diese Segnung verbessert die Sehkräfte des Gläubigen. Er hat eine doppelt so gute Sehkraft wie ein Mensch ohne jegliche Sehschwäche. Starke Helligkeitsschwankungen stören die empfindlichen Augen allerdings sehr. Tritt unerwartet irgendwo Stroboskoplicht oder während eines Gewitters Blitze auf, dann erblinden Gläubige bei einer misslungenen Selbstbeherrschungsprobe für mehrere Minuten, da ihre verbesserte Sicht leider nicht mit diesen, im Vokabular der Church, "flashliken" Erscheinungen umgehen können.



Die Androiden


Vielseitig und effizient wie der Adeptus Mechanicus.

"It´s not a bug, it`s a feature."
Unter diesem Motto wird bei den Androiden, den Gegenspielern der Church of Apple, jede Besonderheit und jede Abweichung von der Norm gefeiert. Sie sehen dies als Beweis dessen an, dass es keinen göttlichen Plan für die Menschheit gibt.
Die faschistoide Sucht nach Perfektion der Gläubigen halten sie für unethisch und gefährlich. Daher ist die oberste Maxime der Androiden, dass man eigene Fehler nicht als  Aufruf zur krampfhaften Verbesserung ansieht, sondern darin das Chaos der naturgegebenen Mutationen akzeptiert und erweitert. Das verfolgen sie mit einem deutlichen Missionierungsgedanken. Dieser hat den Androiden schon oft den Vorwurf der Scheinheiligkeit eingebracht, da sie auf eine Art vorgehen, die sie ihren Gegenspielern selber vorwerfen.
Böse Zungen behaupten, dass die Androiden, bei aller nicht zu leugnenden Individualität, doch den Anhängern der Church deren starke Überzeugung und ihre zuweilen irritierende Makellosigkeit neiden. Warum man im Gegenzug auf Makel stolz sein sollte und nicht nach Höherem und Verbesserung streben sollte, werden die Steve-Jünger nie verstehen.
Die Technologie der Androiden bringt folgende Vorteile:

Datenkraken-API
Die Datenkraken, wie man die Androiden herablassend nennt, sind Meister einer besonderen Art von technischem Gedankenlesen. Durch Berührung einer Person kann ein Android sich mit den Nervenbahnen einer Person verbinden und jeden Winkel des Gehirns seines Gegenübers auslesen wie ein Buch. Konzentration gegen das geistige Eindringen verlangsamt den Prozess, aber nur ein Unterbrechen des Körperkontaktes verhindert weiteren Datenfluss. Gegen die Datenkraken-API gibt es wenig bekannten effektiven Schutz. Legenden zufolge soll es durch Rezitation des verschollenen Zuckerberg-Mantras möglich sein, Androiden aus dem eigenen Gehirn auszusperren.

Eiscreme-und-Lebkuchen-Matrix
In ihrer Hingabe an unbedingte Individualisierung machen nur eine Sache alle Androiden gleich: Sie lassen sich in einer komplizierten Operation eine Eiscreme-und-Lebkuchen-Matrix einbauen, die fortan das Herz ersetzt. Die Matrix ist eigentlich eine künstliche Intelligenz, die in der Lage ist, nach Anweisungen des Androiden durch Nanoroboter Modifikationen an seinen technischen Erweiterungen vorzunehmen. Daher sind die körperlichen Upgrades der Androiden nicht erschöpfend zusammenfassbar. Manche haben universelle Schnittstellen, um ihren Geist direkt mit Maschinen zu verbinden, um Sicherheitsvorkehrungen zu knacken oder Daten auszulesen. Andere können Bilder wie mit einem fotografischen Gedächtnis speichern oder haben einen rudimentäres Übersetzungsprogramm entwickelt, was sie zumindest den Inhalt jeder Konversation in anderen Sprachen erfassen lässt.

Jagd-Algorithmus

Die Aversion gegen die Church of Apple geht soweit, dass sich viele Androiden auf die Fahne geschrieben haben, den Einfluss der Jünger einzuschränken. Das hat bei vielen Androiden zur Nutzung eines speziellen Programms geführt: Dank der Entwicklung des Jagd-Algorithmus können Androiden auf wenige Meter Anhänger der Church aufspüren. Des Weiteren verhindert dieser, dass die technischen Erweiterungen der Androiden vom Windspielpsalm beeinflusst werden können.