Freitag, 7. März 2014

South Park, Hakenkreuze und Satire - Was ist eigentlich erlaubt? (Teil 1)

Promo-Poster für "The Stick of Truth"

Große Freude für alle, die sich Rollenspielen und South Park verbunden fühlen: Es gibt nun ein Spiel, was diese beiden Dinge vereint. South Park - The Stick of Truth ist storytechnisch ein Kind von Trey Parker und Matt Stone. Vom Gameplay her ein Produkt von Obsidian, Machern von Spielen wie Knights of the Old Republic oder FallOut New Vegas. Und warum kann man diese überragende Liebesheirat alles Geekigem nicht in Europa spielen? Warum wurde in der Nacht auf den 6. März meine Version - über Steam erworben - nicht freigeschaltet? Weil man vergessen hatte, alle Hakenkreuze, die das Spiel enthält, zu entfernen. Nun sind Hakenkreuze aus gutem Grund verfassungsfeindliche Symbole in Deutschland. Und auch in Resteuropa denken die wenigsten an die Glück verheißenden Symbole Indiens (Ganesha wird gerne mit dem Swastika in Verbindung gebracht). Gut also, dass man sich hier selbst stoppte, die Spieler warten lässt und da noch nachbessert. Oder?


Kontroversen in South Park
Man fände kein Ende, würde man jeden und alles aufzählen, den South Park in süffisanter Weise oder auch nur mit dem Holzhammer veräppelt hat. Mehrere Dinge aber sorgten im Umfeld der Veröffentlichung Europas und Australiens für Besorgnis: So wurden vorsorglich Mini-Spiele, die auf völlig absurde Weise Abtreibung und Anal-Sonden zum Thema hatten, für den Markt außerhalb Amerikas entfernt. Nur PC-Spieler sollten, warum auch immer, diese Szenen ungeschnitten zu sehen bekommen. Aber viel wichtiger war die Entfernung der Hakenkreuze, mit denen sich der Charakter Cartman gerne mal schmückt. Sein Antagonismus mit Kyle, der einer jüdischen Familie entstammt, sind ein immer wiederkehrendes Motiv der Serie.


Kyle und Cartman sind sich mal wieder etwas uneins.

Nachvollziehbarerweise will man in Deutschland nie wieder jemanden mit Hakenkreuzbinden herumlaufen sehen. Bei South Park kommt nun aber etwas anderes zusammen. Ganz abgesehen davon, dass man es mit einer Zeichentrickserie zu tun hat, handelt es sich bei South Park um Satire. Man muss die Art und Weise, wie die Serie Satire transportiert, nicht mögen. Man muss aber beachten, dass hier ein Charakter antisemitisch handelt, der ein egomanisches und intolerantes Arschloch ist. Wen würde man sich mehr wünschen, um das dreckige Gesicht des Antisemitismus zu zeigen, wenn nicht einen wie Cartman? Satire darf alles. Erst recht, wenn es darum geht, etwas so schreckliches wie Faschismus ins Lächerliche zu ziehen. Und South Park macht dabei einen super Job.
Erinnert sich noch jemand an Pope Town?



Wie erfreulich wäre es gewesen, wenn man hier mal präzisen Humor mit dem Skalpell gehabt hätte, der sich mit Religion wirklich kritisch auseinandersetzt. So wie man es z.B bei Monthy Python hat oder auch oft bei Mel Brooks. Leider wurde man da sehr enttäuscht. Es gab riesige Aufreger im Vorfeld und Diskussionen, ob man sich über Religion denn so lustig machen dürfe? Natürlich darf man das. Nur schade, wenn es so ein bescheuertes Niveau erreicht wie bei Pope Town. Die Serie erreichte die Länge einer kurzen Staffel. Aber wieder zurück zu den Hakenkreuzen.


Cartman in der Folge "The Passion of the Jew"

Warum South Park nicht nur Hakenkreuze haben sollte, sondern haben muss
South Park ist inzwischen bei Staffel 17 und rangiert damit auf einer ähnlichen Ebene wie die Simpsons und sonst eigentlich keine Zeichentrickserie überhaupt. Wenngleich auch ich bei manchen Folgen weder der teilweise argen Meinungsmache der Serienväter zustimmen konnte, noch der Art und Weise wie diese transportiert wurde, habe ich selten über so treffenden Witz gelacht wie in vielen sehr berühmten South Park Folgen. Zuletzt in der dreiteiligen Folge über den die "console wars" zwischen XBox und Playstation.
Wir wollen die Erinnerung an Holocaust und Faschismus möglichst schmerzhaft und dauerhaft am Leben halten. So sollen alle folgenden Generationen lernen was geschah und nie wieder geschehen darf. Und dafür gibt es tausend abstrakte und weniger abstrakte Mahnmale, Museen und so weiter. Undenkbar so etwas ernsthaftes in einer Serie oder einem Spiel im Rahmen von Satire so deutlich aufzugreifen mit der Symbolik der Täter. Tja, schon mich langweilte als Schüler die Tatsache, dass Geschichtsunterricht eigentlich "Die Schuld der Deutschen" hätte heißen sollen, so dass ich, obwohl es kein Thema außer Weimar und Nazis gab, nach dem Abi bis auf Grundzüge alles vergessen hatte. Schülern, die nicht mehr, so wie ich noch, Großeltern haben, die diese Zeit miterlebt haben, sind noch mehr von Verklärung und Vergessen betroffen und können schon wenn es um die DDR geht nicht mehr begreifen, was sich Erwachsene da noch so echauffieren können.
Erreicht die Leute da, wo sie sind, holt sie ab, wo sie stehen. Verlangt nicht, dass jeder sich durch drögen Geschichtsunterricht uralter Steinzeitpädagogen quälen muss, um sich der Schrecken des dritten Reichs zu erinnern. Lasst sie "V wie Vendetta" sehen, damit sie lernen, wie Totalitarismus in seinen Grundzügen aussieht, damit sie ihn erkennen. Lasst sie Hakenkreuze sehen, damit ihnen sofort ins Auge springt, wenn jemand versucht, die Vergangenheit zu verharmlosen. Nicht das Symbol ist das Problem, die Umgebung in der es auftaucht ist es. In der Realität darf nie wieder jemand so eine Armbinde tragen und Leute wie Prinz Harry gehören für ihre Jugendsünden in der Hinsicht mehr als nur übers Knie gelegt. Satire, gerade wenn sie geeignet ist bei der Jugend Aufmerksamkeit für etwas zu wecken oder aufrechtzuerhalten, muss Hakenkreuze zeigen dürfen.